| Es
handelt sich bei der Boddenküste um eine stark gegliederte zweite Küstenlinie.
Die Außenküste ist direkt dem Meer zugewandt, während ihr Pendant
landeinwärts hinter vorgelagerten Inseln oder Halbinseln liegt. Weil die
Boddenküste von direkter Meereseinwirkung geschützt ist, bietet sich dem
Betrachter auch ein völlig anderes Erscheinungsbild. Der Küstenverlauf
ist von vielen Buchten gegliedert und von Schilfgürteln oder Weideland gesäumt. Das Wasser hat einen noch geringeren
Salzgehalt als das der Ostsee. Es erschließt sich eine Landschaft,
die für manchen erst auf den zweiten Blick ihre Schönheit offenbart. |
| Ihre
Entstehung verdankt sie – wie die Ostsee selbst – der letzten Eiszeit.
Da diese erdgeschichtlich gesehen zwei Sekunden her ist, laufen
landschaftliche Formgebungsprozesse bis heute. Eiszeitliche Ablagerungen
gliedern die Landschaft, durchziehen sie mit flachkuppigen Grundmoränen,
aufragenden Endmoränenwällen und Sanderflächen. So war auch die Urostseeküste beschaffen, zunächst allerdings noch ohne Wasser. Dann stieg der
Meeresspiegel und fortan ragten Inselkerne aus ihm heraus. Die Westwindströmung
half dem Meer dabei, an einigen Stellen Material abzutragen, um es an
anderer Stelle wieder abzulagern – also den Küstenverlauf
auszugleichen. Daher entstand die Bezeichnung Ausgleichsküste. Die
Kraft von Wind und Wasser verband die ursprünglichen Inselkerne zum Teil
miteinander und schuf darüber hinaus Nehrungen – sogenannte
Landzungen oder Halbinseln. Kurz gesagt schob sich durch den
Materialtransport eine zweite Küstenlinie vor die erste – wie wunderbar!
Trägt dieser Prozess doch zur Schönheit und Vielfältigkeit des heutigen Erscheinungsbildes bei. |
Augrund der
ausgedehnten Flachwasserbereiche der Bodden erwärmen sich
diese schneller als die Ostsee selbst und sind daher auch nährstoffreicher.
Das Ökosystem Boddenküste ist also noch empfindlicher gegenüber
Schadstoffeintrag als die Ostsee.
Dem Urlauber bieten die Boddengewässer früher im Jahr angenehme
Wassertemperaturen, wogegen im Winter Eisbildung keine Seltenheit
ist. Schwankt der Salzgehalt der Ostsee zwischen 0,8 und 1,2%, so liegt
selbiger im Boddenflachwasser lediglich im Bereich von 0,3 bis 0,9 Teilen von Hundert. Die Boddengewässer können
damit weder den Meeres- noch den Binnengewässern zugeordnet werden. Das
bedeutet, Meeres- oder Süßwasserlebewesen können hier kaum existieren.
Umso reichhaltiger sind diejenigen Arten vertreten, denen die
Anpassung an diese besonderen Lebensumstände gelang. |