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[DDR-Fremdenverkehr]
Mecklenburg-Vorpommern

Interessant ist die Entwicklung im Fremdenverkehr in der Zeit der DDR ab 1949, basierte sie doch wesentlich auf einer Neuordnung der Besitzverhältnisse und einer völligen Umstrukturierung hin zu einem "Massentourismusbetrieb".

Es bestand laut DDR-Verfassung ein Grundrecht auf Freizeit und Erholung. Umgesetzt und organisiert wurde dieser Rechtsanspruch in erster Linie durch die Einheitsgewerkschaft FDGB, die als der größte Reiseveranstalter der DDR fungierte. Der FDGB unterhielt einen eigenen Feriendienst und wickelte pro Jahr etwa zwei Millionen Reisen in eigene oder vertraglich gebundenen Einrichtungen ab, weitere drei Millionen Reisen erfolgten in betriebliche Objekte.

Diese Objekte bekam der FDGB anfangs auf der Grundlage eines SMAD-Befehls durch Überlassung zweckentfremdeter Erholungseinrichtungen sowie enteigneter ehemaliger Villen und Schlösser - außerdem wurden die vertraglich genutzten Erholungsheime "vermehrt."

In diesem Zusammenhang ist die Aktion Rose im Februar 1953 von Bedeutung. Es handelte sich dabei für die betroffenen Hotel- und Pensionsbetreiber um eine zunächst undurchsichtige Aktion des Ministerium des Innern. Mitarbeiter des Ministeriums gaben vor, bei der Instandhaltung der Objekte behilflich sein zu wollen und besichtigten die Gebäude. Mittels gezielter Denunziationen und Erhebung von Vorwürfen strafbarer Handlungen, beispielsweise Steuerrückständen in Höhe von nur 50,- Mark, sollten Besitzer von Hotels und Pensionen dazu gebracht werden, ihr Eigentum zu übereignen.

Die Einrichtungen befanden sich bis zu diesem Zeitpunkt noch zu 80% in privater Hand. Im Zuge der Aktion Rose wurden 440 Hotels und Pensionen, 181 Gaststätten, Wohnungen und Grundstücke entlang der Ostseeküste enteignet. Die Objekte im damaligen Gesamtwert von über 100 Millionen Mark gingen an das Ministerium des Innern, das Ministerium für Staatssicherheit und an die Nationale Volksarmee - den sogenannten Sonderbedarfsträgern. Letztlich erhielt der FDGB die meisten enteigneten Objekte.

Übrigens waren die für das Erholungswesen eingesetzten staatlichen Mittel immens und betrugen 1987 etwa 1,5 Milliarden DDR-Mark. Aufgrund der Subventionspolitik lagen die Einnahmen durch die "Erholungssuchenden" bei lediglich 117 Millionen Mark.

Durch das Erholungswesen etablierte sich ein Massentourismus, dessen einzige Orientierung auf der "Befriedigung eines Bedarfes" lag und auf dessen Abwicklung sämtliche Strukturen ausgerichtet waren. An Erholungssuchende wurden nach festgelegten Parametern Reisen verteilt, die entsprechenden Einrichtungen arbeiteten häufig an ihrer maximalen Belastungsgrenze. Die Verpflegung fand zumeist zentral statt und kann nur als Abfertigung bezeichnet werden. "Speiste" man doch im Schichtbetrieb - pro "Durchgang" war dafür nicht mehr als eine halbe Stunde vorgesehen.