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[Sehenswertes: Informationen zur Backsteingotik]
Mecklenburg-Vorpommern

Die Kolonisation slawischer Gebiete und der aufkommende Handel führten nicht nur zu wirtschaftlicher Blüte und Etablierung des mächtigen Städtebundes der Hanse - auch die Baukunst nahm rasanten Aufschwung. Vorrausetzung dafür war die aus Oberitalien eingeführte Backsteintechnik sowie die Übernahme des nordfranzösischen Kathedralsystems.

Der Dom und die Marienkirche in Lübeck wiederum waren die Vorbilder für entsprechende Bauten der anderen Hansestädte. Man errichtete anfangs - noch in der Zeit der Romanik - Basilika mit jeweils hohem Mittel- und relativ niedrigen Seitenschiffen. Eine derartige Bauweise ist den ursprünglichen Kenntnissen der Statik geschuldet, stützten doch die relativ niedrigen Seitenschiffe das höhere Mittelschiff.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung stiegen Bevölkerungszahl und Bauanspruch und so entwickelte man den neuen Kirchenbautyp der nunmehr gotischen Hallenkirche. Hier waren die Seitenschiffe in der Regel genauso hoch wie das Mittelschiff, die Lasten leitete man über meist außen liegende Stützen ab, es entstand im Innern ein anderes Raumempfinden. Der Eindruck einer gewissen Schwere und - ironisch gesprochen, Bodenhaftung - wurde vom Gegenteil verdrängt. Das optische und tatsächliche Höhenstreben unterstützen die Baumeister mittels entsprechender Ausführung der Pfeiler, deren Massivität zu diesem Zweck kaschiert werden sollte. Die Bauform der Hallenkirche ist ursprünglich in Südfrankreich beheimatet.

Mit dem anhaltenden Streben nach Höhe und Leichtigkeit fand man wegen der Problematik Höhe und Last zur Bauform der Basilika zurück - nun jedoch ebenfalls im gotischen Stil. Ein weiterentwickeltes Pfeiler-Lasten-System ermöglichte abermals einen Höhengewinn. Bei alledem stand immer der Raumeindruck im Mittelpunkt des Interesses, konnte dieser doch Erhabenheit und Himmelsnähe vermitteln. Entscheidend ist hierbei das Verhältnis von der Breite des Raumes zu dessen Höhe. Hier wurde schließlich bei einigen Kirchenbauten der Spitzenwert von 1:3,5 erreicht - zu bewundern beispielsweise in der Nikolaikirche zu Wismar.

Die beschriebenen Entwicklungen wurden von den anderen Städten jeweils häufig übernommen, große Kirchenbauten zum Teil mehrfach entsprechend umgebaut. Insgesamt brachte die Entfaltung der Baukunst jener Zeit etliche großartige Beispiele der Backsteingotik hervor.